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dieser beitrag wurde verfasst in: deutsch (ger/deu/de)

verfasserin/verfasser: José Luis Cuevas

titel: 'Heftig griff ich die folkloristische, oberflächliche und ungehobelte Kunst an.'

+: Ruptura, 1952–1965, Catálogo de la exposición, Museo de Arte Alvar Carrillo Gil,

México, 1988

«Mein Manifest, genannt Der Kaktusvorhang wurde 1951 erstmals publiziert in der kulturellen Beilage «México en la Cultura» der Zeitung Novedades, unter der Leitung von Fernando Benitez. Seither wurde es in die englische Sprache übersetzt und in der newyorker Avantdardezeitschrift Evergreen Review reproduziert. Bereits zuvor hatte ich es in meine «verfrühte Autobiografie» Cuevas por Cuevas aufgenommen, die ich bei ERA 1965 veröffentlichte. Es war ein antikonformistischer Beitrag, gegen die sogenannte Mexikanische Malereischule und den wilden Nationalismus gerichtet, den die Intellektuellen jener Epoche pflegten. Der Titel Kaktusvorhang wurde umgehend populär und umfassend und wurde häufig in nordamerikanischen Publikationen verwendet, wenn es um den lateinamerikanischen Nationalismus ging. Ich habe gelesen, dass ein Film den Luis Valdés zurzeit vorbereitet, den Titel Der Kaktusvorhang tragen wird. Dieser Chicano-Regisseur ist berühmt für seine Filme Zoot Suit und La Bamba. Der Kaktusvorhang war das erste wirkungsvolle Manifest gegen die mexikanische Malerei, die jeden ausländischen Einfluss negierte, um das unser Eigenes zu verherrlichen. Es bildete den Anfang einer Reihe von Beiträgen, in denen ich die folkloristische, oberflächliche und ungehobelte Kunst, die in Mexiko gemacht wurde und deren Pabst Diego Rivera war, heftig angriff. Ich war damals 22-jährig und mein Werk war in New York und Paris ausgestellt worden. In Mexiko und im Ausland sah man mich als jähzornigen Jugendlichen an, und dies brachte mir die Ablehnung meiner Mitbürger und die Anerkennung in neuralgischen Zentren der USA und Europas ein, wo die rebellischen Aktivitäten der Jungen begannen, mit Enthusiasmus aufgenommen zu werden. Innerhalb Lateinamerikas war ich ein Vorreiter, und in den Vereinigten Staaten wurde meine Aktivität mit denjenigen von James Dean im Kino und Elvis Presley in der populären Musik verglichen.

Ich erinnere mich, dass ich jene Jahre in Kolumbien verbrachte. In Bogotá sprach man vom «Cuevismo», gleichbedeutend mit Rebellion. Der kolumbianische Dichter Gonzalo Arango sagte, meine ikonoklastische Tätigkeit erinnere ihn an Jean Genet.

Ich denke, dass meine gesunde und verspielte Tätigkeit, so viele Idole der nationalen Kultur einzureissen, viel nützte und dazu beitrug, die Stimmung zu transformieren.

In einem Buch von Selden Rodman mit dem Titel Mexican Journal beschimpfte mich der interviewte Diego Rivera hart, während Siqueiros, Leopoldo Méndez und einige Maler der Volksfront der bildenden Künste sich in abschätzigen Worten über mich äusserten. Rivera versicherte, mein Ruhm sei vergänglich und meine Schläge würden dem mächtigen und steinernen Muralismus, der zwar bereits einem monolithischen und eintönigen Akademismus verfallen war, nicht im Geringsten schaden. Ich zog Tamayo als Beispiel meiner rebellischen Aktivität heran, obwohl jener weder polemisch war, noch sich in Worten ausdrückte und es vorzog, in einem ruhigen Exil in New York oder Paris zu leben. Allein die Tatsache, mit seinem Werk in Opposition zur Mexikanischen Malereischule zu stehen, brachte mich dazu, ihn zu bewundern und als Banner zu wählen.

Ich glaube, ich muss es wiederholen: der erste theoretische Opponent, der es mit der mit der einheimischen und politischen Kunst Mexikos aufnahm, war ich, da Tamayo geknebelt lebte und erst viele Jahre später, als ihm Mexiko die Türen öffnete und ihn als grosse Gestalt der nationalen Kunst inthronisierte, zu sprechen und Dinge zu sagen begann, die er sich zuvor nicht zu äussern gewagt hätte.

Meine Generation setzt sich aus brillanten Künstlern zusammen, die, gelangweilt durch den Realismus der Mexikanistische Schule, den Abstraktionismus gewählt hatten. Es scheint mir sehr treffend, diese Generation, der ich angehöre, als diejenige des «Bruchs» zu bezeichnen, da wir tatsächlich alle zusammen neue Wege für die Kunst in Mexiko öffneten. Nach uns erlebte die nationale bildende Kunst einen Wechsel, und die jüngeren Generationen schulden uns viel.

Ich wuchs mit [Manuel] Felguérez, mit Vicente Rojo und mit [José Alberto] Gironella [Ojeda] auf. Von diesen dreien blieb nur der letzte figurativ. [Francisco] Toledo erschien ein paar Jahre später. Er wurde sechs Jahre nach mir geboren.

Ein Charakteristikum unserer Generation ist die Notwendigkeit, herauszugehen, zu reisen, andere Kulturen kennenzulernen. Vielleicht waren wir ein wenig wie die Contemporáneos, so wie wir uns von der Weltkunst nährten, während es bei mir immer diesen sehr mexikanischen Zug gab, das Ungestüme in meinen Aktivitäten und in meinem eigenen Werk. Als Mexikaner, der ich bin, war ich über das Ganze gesehen unbarmherzig und grausam von der Wahrheit besessen, wie es der französische Dichter Philippe Soupault in der ersten französisch erschienen Monografie über mich 1955 ausdrückte.» (Februar 1988. 2024 übersetzt von Alex Winiger.)