dieser beitrag wurde verfasst in: deutsch (ger/deu/de)

verfasser/in: titel: Der Kreuzweg von Comologno und die Renovierung seiner Malereien im Jahre 1952

+: In: Maria Will (ed.), La 'Nuova Via Crucis' di Comologno, Bellinzona 2013, p. 28–74

«Aber zu welchem Zweck entstehen diese so charakteristischen Komplexe? Sie entstehen, im Wesentlichen, als Ersatz für die Pilgerreise ins Heilige Land, an die Schauplätze, von denen uns die Bibel berichtet. Als Jerusalem und Palästina endgültig unter die Kontrolle der Türken, oder besser gesagt, des Ottomanischen Reiches gerieten, wurden diese Orte für die christilichen Pilger zu unsicher und gefährlich und so verbreiteten die Franziskaner (denen man auch die Erfindung der Krippe verdankt) seit dem 15. Jahrhundert diese Frömmigkeitspraxis, in der man sich auf den Weg macht, von einer Kapelle zur andern geht, oder von einer Station zur anderen, wie sie eigentlich genannt werden, als Anspielung an die eigentliche Pilgerrreise. Den Kreuzweg machen, bedeutete auch, wie auf der Pilgerreise, die Erlangung eines Ablasses für die Gläubigen.

Man darf auch nicht vergessen, dass eine grundlegende Besonderheit dieser sakralen Komplexe darin besteht, künstlerische und landschaftliche Werte zu vereinen; oder, mit anderen Worten die Begegnung von Kunst und Natur zu ermöglichen. Und niemand wird leugnen wollen, dass das Beispiel von Comologno diese Anforderungen voll und ganz erfüllt.» (S. 48)